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Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass Tiere auf Menschen eine positive Wirkung haben. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier, besonders einem älteren Menschen und einem Tier,

  • hilft gegen Einsamkeitsgefühle,
  • hilft gegen Isolationsgefühle,
  • fördert die Kontaktaufnahme,
  • hilft, den Tagesablauf zu strukturieren,
  • hilft , sich ohne Bedingungen angenommen zu fühlen,
  • hilft, Liebe zu erhalten und zu geben,
  • hilft, sich wertvoll und liebenswert zu fühlen,
  • hilft, Gesprächsstoff zu haben und
  • hilft, Erinnerungen aufzufrischen.
(Quelle: Tiere öffnen Welten)

Im Rahmen meiner Besuchsdienstarbeit habe ich die Wirkung von Hunden auf die Menschen in den Seniorenheimen erlebt. Der Hund im Besuchsdienst

  • bietet eine willkommene Abwechslung,
  • regt zum Sprechen an,
  • fördert die Beweglichkeit,
  • gibt Orientierung,
  • verlangt Aufmerksamkeit,
  • leistet Erinnerungsarbeit,
  • und kann sogar bei regelmäßigen Besuchen die Schmerzmitteleinnahme reduzieren.
Ganz wichtig ist aber auch, dass der Hund nicht instrumentalisiert wird, er braucht Auszeiten, weil die Konfrontation mit den oft kranken Menschen auch dem Hund einiges abverlangt. Auch ist nicht jeder Hund für diese Tätigkeit geeignet. Er muss eine Prägung auf Menschen haben und sich von Fremden anfassen lassen, er muss auf die Gegebenheiten in den Seniorenheimen trainiert werden, seien es die Gerüche oder Rollstühle, Rollatoren, Krankenbetten, medizinische Geräte, das Personal, der organisatoriche Ablauf usw. Auch der/die Hundehalter/in sollte sich mit dem Thema Besuchsdienst befasst haben, um Anzeichen von Überforderung und Stress bei Mensch und Hund zu erkennen. Die Begegnung soll für beide Seiten angenehm sein, sonst verfehlt der Besuch seine Wirkung und kann sogar gegenteilige Auswirkungen haben.

Ich mache tiergestützten Besuchsdienst mit meinem Hund Merlin auf Anfrage in Seniorenheimen und zu Hause, ich helfe auch bei der Qualifzierung ehrenamtlicher Mitarbeiter, indem ich bei der Auswahl des Hundes berate, die Hundehalter für das Training ihrer Hunde anleite, und  die ersten Besuche begleite.

 Im Jahr 2006 erschien ein Artikel von mir in der Vereinszeitschrift der

Boxernothilfe Deutschland e.V.:

 

Merlin, der (Ver)-Zauberer

 

Zehn Wochen alt war Filou, ein dunkelbraun-schwarzer Boxer-Labrador-Mix, als ich ihn 2004 von der BNH bekam bzw. bei der Pflegestelle abholen konnte und er hat sich von Anfang an sehr gut in unser Leben eingefügt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich bemerken, dass der Hund sehr gut sozialisiert war und gesundheitlich in Topform, ohne Eigenheiten oder Fehlverhalten, ich musste ihn nur noch an uns und sein neues Zuhause gewöhnen und ... ihn umtaufen in „Merlin“. Ein Dank an alle, die bei der BNH daran mitgewirkt haben! Und so toll wie er kam ist er auch geblieben.

Beruflich bin ich in einer Ev. Kirchengemeinde beschäftigt und neben vielen anderen Aufgaben auch für die Seniorenarbeit und den Besuchsdienst zuständig. So war es klar, dass Merlin neben den anderen Gemeindegruppen, wie Mutter-Kind-Gruppen, besonders mit „meinen“ Senioren in Kontakt kam. Nachdem er einigermaßen sauber war und mir auf Schritt und Tritt folgte, nahm ich ihn überall hin mit, so auch in die Nachmittagskreise und die Seniorenheime. Langsam wurde er so an die anderen Gerüche auf den Pflegestationen, an die Krankenbetten, Rollstühle und Rollatoren sowie an die Reaktionen der Bewohner gewöhnt. Schnell war klar, dass Merlin überaus menschenfreundlich ist und sich auch von anderen Menschen gerne anfassen lässt. In den gesamten vergangenen 2,5 Jahren habe ich nicht einmal eine aggressive Reaktion gegenüber Menschen bei Merlin beobachtet, und das gilt auch und besonders für Kinder, da ist er ein typischer Boxer.

Dann habe ich angefangen, mit ihm zusammen meine Besuche in den Seniorenheimen zu machen. Anfangs gab es einige Schwierigkeiten von seiten der Heimleitung und des Personals wegen Hygiene, Qualifikation usw. Die Reaktion der Heimbewohner war aber so positiv, dass ich inzwischen feste Besuchstermine mit dem Hund habe. Oft erleben Merlin und ich negative Begegnungen im Wald mit Joggern, Radfahrern und von den Medien aufgestachelten Familien mit Kindern wegen seiner Fellfarbe und Rasse, leider, und das obwohl Merlin keinen belästigt. Dies ist in den Seniorenheimen aber nie ein Thema gewesen. Die älteren Menschen gehen viel natürlicher mit Hunden um. Wenn wir kommen leuchten die Augen der Heimbewohner, sie reden mit dem Hund, sie streicheln  und füttern ihn (mit von mir mitgebrachten Leckerlis). Viele waren früher selber Hundebesitzer oder mussten den Hund plötzlich abgeben beim Einzug ins Seniorenheim. Gerade diese Situation haben sehr viele nicht verkraftet und da können schon mal die Tränen rollen, vor allem, wenn sie nicht wissen, was mit ihrem jahrelangen Weggefährten geschehen ist.

Merlin wird so zum Mittler zwischen mir und dem/der Besuchten, er ist der Schlüssel für weitere Förderungen. So komme ich über Merlin mit den Senioren ins Gespräch, es wird von den ehemaligen Haustieren erzählt, von früheren Zeiten, von Gott und der Welt. Der Alltag im Seniorenheim hat Pause, die Schmerzen und Krankheiten sind eine Zeitlang vergessen. Körperbehinderte versuchen z.B. ihre Arme zu bewegen, um Merlin zu füttern, Sprachlose versuchen Merlin zu rufen, um ihn zu streicheln.

Es ist für mich immer wieder ein Phänomen, was nur die Anwesenheit des Hundes bewirkt. Diese tiergestützte Aktivität dient in erster Linie der Beschäftigung der Bewohner, der sozialen Kommunikation und der Steigerung der Lebensqualität. Kommunikation und Interaktion zwischen Mensch und Hund stehen im Vordergrund. Ohne Zweifel werden auch Lernerfolge und eine Verbesserung der Gesundheit erreicht. Emotionale Interaktionen mit dem Tier sind erwünscht.

So wächst mit der Zeit bei den regelmäßigen Besuchen eine Beziehung zwischen den Senioren und Merlin (und mir natürlich). Merlin kennt genau die Zimmertüren und rennt schwanzwedelnd hinein, die Bewohner warten schon auf den Besuch. Manch einer hat schon eine Wasserschale bereitgestellt oder ein Leckerli (Knäckebrot) vorbereitet. Wer selber einen Hund hat, weiß, wie gut das bedingungslose Begrüßen des Hundes tut und wie sehr die Freude des Hundes auf einen selber überspringt. Meine Aufgabe ist es dann, neben dem wichtigen Zuhören, dafür zu sorgen, dass der Besuch für Mensch und Hund ein positives Erlebnis ist und bleibt und beide nicht überfordert werden. Ganz wichtig bei diesen tiergestützten Besuchen ist, dass beide Seiten daran Freude haben, und dass der Hund nicht überlastet oder gar instrumentalisiert wird.

Aber mehr als einmal lag Merlin dann nach seiner „Arbeit“ schnarchend unter dem Tisch, während die Gespräche zwischen uns Menschen erst anfingen und damit meine Aufgabe des Besuches begann.

Nach diesen Besuchsterminen brauchen Merlin und ich erst einmal eine Möglichkeit zum Abschalten und gehen deshalb meist im Wald spazieren oder toben auf einer Wiese. Dabei kann der Hund sich abreagieren und auch ich tanke wieder Kraft. Dann ist das Besuchs-Duo wieder fit für die nächsten Besuche und Merlins Name wird wieder Programm: Er kann die Menschen verzaubern.

 

Dagmar Onogur

Bonn-Bad Godesberg

 


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